Pfarrkirche & Geschichte

Chronik der St. Vinzentius Gemeinde Fullen-Versen

Seit 1514 kann in Fullen eine Kapelle als Filiale der Propsteikirche in Meppen angenommen werden. Sie wird in der folgenden Zeit mehrfach erwähnt, etwa 1543 und 1651. Um 1800 dürfte sie auch einen ständigen Geistlichen gehabt haben, was eigentlich ungewöhnlich war, da Filial­kirchen von den Geistlichen der Mutterkirche seelsorgerisch betreut wurden. Der erste ständige Geistliche war nach Auskunft der Schul­chronik Groß Fullen ein französischer Pater, der wegen der Revolutionswirren nach 1789 aus Frankreich geflüchtet war und in Fullen eine Unterkunft und eine Betätigung fand. Sein Name ist nicht mehr bekannt, doch hat er bis 1803 in Fullen gewirkt.

Pfarrkirche Stankt Vinzentius 1853-1971

Sein Nachfolger wurde für mehr als 50 Jahre Pater Fortunatus Kupers. Er hatte in Meppen sein Abitur gemacht und trat in den Minoritenorden ein, den er 1802 freiwillig verließ, um als weltlicher Priester seinen Dienst zu tun. Seine Stelle als Pastor bekam er in der Kapellengemeinde Fullen, die während seiner Zeit zum Primissariat aufgewertet wurde. Pater Kupers ist 1858 in Klein Fullen gestorben. Er war ein sehr volkstümlicher Seelsorger, der Zulauf aus dem ganzen Emsland hatte. Sein besonderer Verdienst ist die Errichtung zweier neuer Kapellengebäude, 1820 und (nach Zerstörung durch Blitzschlag) 1853. Um die Bauten finanzieren zu können, war er unermüdlich unterwegs, um durch Kollekten und Aushil­fen Mittel zusammenzubringen. Auch sein Erbe hat er der Kapellen­gemeinde zukommen lassen.

Als Primissar folgte ihm im Amt Bernhard Koiter, den er schon als Kind getauft hatte, denn er kam gebürtig aus Klein Fullen. Zuvor war er Adjunkt an der Propsteikirche in Meppen und vom Propst Gelhorn emp­fohlen worden. Zu seiner Zeit muss es schon ein Pastorat in Fullen gege­ben haben. Pastor Koiter war 45 Jahre, von 1858 bis 1893, in Fullen tätig. Eine größere Selbständigkeit des Primissariats erreichte er jedoch nicht.

Da nach seinem Tode die Stelle zwei Jahre lang nicht besetzt werden konnte, war in dieser Zeit der Präzeptor (veraltet: Lehrer oder Erzieher) des Meppener Konviktes Heinrich Stratmann an den Sonn- und Feiertagen zur Aushilfe in Fullen.

Mit Pastor Andreas Dreyer, vorher Vikar in Börger und Pfarrer in Rulle, kam ein kränkelnder Geistlicher nach Fullen, der sich allerdings keineswegs schonte. Er ist als besonders guter Seelsorger in seiner Pfarrei bekannt gewesen. In diesen Zusammenhang ist sicherlich auch die Tatsache einzuordnen, dass es ab 1897 eine regelmäßige zweite Sonntagsmesse in Fullen gab.

Pastor Dreyers Nachfolger war sein Vorgänger, der ehemalige Präzeptor Heinrich Stratmann, der zwischenzeitlich Kaplan in Dersum gewesen war. Er kam gebürtig aus Osnabrück, machte schon mit 17 Jahren dort sein Abitur, studierte Philosophie und anschließend Theologie, wurde sehr jung (mit 23 Jahren) geweiht und starb 1928 in Fullen, wo er auf dem Friedhof begraben liegt. Die Groß Fullener Schulchronik beschreibt seine fast 25jährige Wirksamkeit in Fullen so: „Die apostolische Liebe, die ihn beseelte, ließ ihm keinen Weg zu weit, keine Mühe zu groß, keine Arbeit zu gering erscheinen“. In seiner Zeit vollzog sich die endgültige Selbständigkeit der Pfarrgemeinde Fullen. Seit dem 01. November 1907 war der Primissar Heinrich Stratmann der erste Pfarrer von Fullen.

Nachdem die Pfarrgemeinde für einige Monate von Wesuwe aus verwaltet und vom Maristenkloster seelsorgerisch betreut worden war, wurde mit Pfarrer Clemens Riedemann, bisher in Werpeloh, ein Mann von Grundsätzen nach Fullen versetzt. Unerschütterlich und kompromisslos, sicher auch eigensinnig, hat er zu allen Zeiten, besonders aber in der NS-Zeit, sein Amt versehen. 1940 wird er als Pfarrer nach Vinnen versetzt, ein wohl nicht mehr vermeidbares Zugeständnis des Bischofs an die Nationalsozialisten um schlimmeres zu verhüten, das auch die Person des Pfarrers betreffen konnte.

Noch im gleichen Jahr wird der Pastor von Schöninghsdorf, Heinrich Hemelt, sein Nachfolger. 15 Jahre lang hat er die Stelle wahrgenommen, in den letzten Kriegs­jahren und in der Nachkriegszeit.
Erst 1957 gibt der Bischof seinen dringenden Bitten, ihn zu pensionieren, nach. Für Pfarrer Hemelt war es schwer, mit den neuen Vorstellungen in seiner Zeit zurechtzukommen. Er hat es in Fullen sicher nicht leicht gehabt, aber er hat es sich auch nicht leicht gemacht. So kam ihm seine Pensionierung wie eine Erlösung vor.

Von St. Annen bei Melle wurde noch im gleichen Jahr Pfarrer Hermann Kohne nach Fullen versetzt. Nur gut 3 Jahre konnte er, der bei seinem Amtsantritt schon erkrankt war, seinen Dienst ausüben. Er starb 1960 und wurde wunschgemäß auf dem Pfarrfriedhof beerdigt, dessen Neugestaltung sein Werk war. Pfarrer Kohne war ein sehr volkstümlicher Geistlicher, weil er mit seiner sachlichen resoluten Art überzeugen konnte.

Nach einer kurzen Übergangszeit, kam der gebürtig aus Nordlohne bei Lingen stammende Pfarrer Josef Kaupel nach Fullen. Er war zuvor Kaplan in Merzen und Pfarrer in Borsum, Bockhorst und Neubörger gewesen. Ein Jahr, nachdem er sein 40jähriges Priester­jubiläum in Fullen gefeiert hatte, ging er in den Ruhestand. Fast 17 Jahre (von 1960 bis 1977) stand er der Gemeinde vor. Wer ihn gekannt hat, weiß, was es heißt, wenn man von ihm sagt: An seiner Art haben sich die Gemüter entzündet. Der Ausbau des Pfarrzentrums (neue Kirche, Leichenhalle, Pfarrhaus) ist mit seinem Namen verbunden.Er starb 1987 in Rhede, wo er die letzten Jahre seines Lebensabends verbrachte.

Nicht Pfarrer in Fullen, aber sehr mit Fullen verbunden, war Pfarrer Gerhard Steffens. Dieser wurde am 28.07.1904 in Klein Fullen geboren, erhielt am 15.08.1933 in Osnabrück die Priesterweihe, war dann Kaplan in Fürstenau, Eggermühlen und Aschendorf, bevor er von 1937 bis 1959 Pastor in Bredenberg und Altenberge war. Von 1959 - 1973 war er Pfarrer in Vrees. Seit 1973 lebte er als pensionierter Pfarrer in Groß Fullen und ist am 16.10.1980 in Meppen gestorben. Beerdigt wurde er in Groß Fullen.

Seit dem 5.3.1977 war Pfarrer Paul Dalhaus aus Emsbüren in Fullen im Amt. Er war zuvor Kaplan in Börger, Alfhausen und Bawinkel und Pastor in Rühlermoor. Neben dem weiteren Ausbau des Pfarrzentrums (1979 wurde der Glockenturm errichtet, am 12.05.1991 das Pfarrgemeindehaus von Bischof Dr. Ludwig Aldekamp feierlich eingeweiht) hat er es stets als seine Aufgabe angesehen, die beiden Teile der Pfarrgemeinde, die 1974 zusammengefügt wurden, zu einer Einheit zu verschmelzen, damit es nicht nur auf dem Papier eine Sankt-Vinzentius-Gemeinde Fullen-Versen gibt. Er verstarb am 26.04.2000 nach dreijähriger Krankheit und wurde auf dem Fullener Friedhof beerdigt. Ein Gedenkstein am "Wegekreuz" auf der Grenze zwischen Fullen und Versen erinnert an Pastor Dahlhaus.

Leider wurde der original Korpus und die beiden Gedenktafeln am September 2012 von unbekannten Metalldieben entwendet und nach einiger Zeit durch metallfreie Kopien ersetzt.

Fullen-Versen wurde danach dem Gemeindeverbund Meppen-West zugeordnet.

Am 01.04.2000 wurde Reinhard Potts der erste Pfarrer, der im Gemeindeverbund "Meppen West“ tätig war. Der Gemeindeverbund setzt sich auch den Pfarrgemeinden Sankt Maria zum Frieden, Sankt Franz Xaver und Sankt Vinzentius zusammen. Nach nur zwei Jahren Amtszeit wird er im April 2002 versetzt.

Nach einigen Monaten Vakanz kam zum 01.08.2002 der Pfarrer Hubertus Goldbeck. Seine Amtseinführung in Fullen wurde mit einem großen Pfarrfest am 18. August gefeiert. Unter seiner Regie wurde im Jahre 2009 der Altarraum der Pfarrkirche neu gestaltet und 2012 der gesamte Kirchvorplatz und die Friedhofskapelle umgebaut. Im Mai 2014 wurde Pfarrer Goldbeck versetzt und zum neuen Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Bersenbrück, Lage-Rieste, Neuenkirchen-Vörden und Alfhausen berufen.

Im Juni 2014 wird Pater Benny Matthew Chirayilparambil (CMI) als neuer leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft ernannt.




Pfarreiengemeinschaft Meppen-West
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